Kinderbetreuung – Äpfel, Ameisen, Cremeschnitten

Sobald man ein Kind auf die Welt gebracht hat, wird gleich nach den Glückwünschen die Frage aller Fragen nachgeschoben: „Wann gehst du wieder auf die Arbeit?“ . Doch – Obacht! Diese Frage ist heimtückisch, denn je nach Antwort folgt eine zweite Frage und falls man auch hier den Fehler macht und den falschen Pfad der Antwort wählt, bekommt man eine erneute Frage gestellt. Man fühlt sich so ein bisschen wie bei einem Lernprogramm aus den späten 90er Jahren als noch nicht jeder einen Computer hatte und die Freunde, die einen hatten, die Coolsten waren und man sich zu Fünft um einen Bildschirm getummelt hat um solche Frage-Antwort-Spielchen zu spielen….ach herrlich! Es war eine tolle Jugend!

Aber zurück zum Thema! Ich wählte also bei allen Fragen immer die Antwort aus, die zu einer erneuten Frage mit hochgezogenen Augenbrauen führte. Wir spielen es einmal hier durch:

Frage 1: „Wann gehst du wieder auf die Arbeit?“
Antwort 1: „Nach einem Jahr“

Frage 2: „Und was machst du mit deinem Kind?“
Antwort 2: „Oma und Opa passen auf“ (Ich muss ja hier ehrlich gestehen, dass ich in meinem wirren Gedankenkonstrukt lieber geantwortet hätte „Dem häng ich den Schlüssel um den Hals und stell eine Schale Cornflakes, die mit viel Zucker und Azofarbstoffen, auf den Tresen in der Küche.“ )

Frage 3: „Und das geht gut?“
Antwort 3:

Ja Himmel! Liebe Gesellschaft! Warum sollte das denn nicht gut gehen? Wenn ich kein gutes Gefühl dabei hätte, dann würde ich doch Antwort 2 gar nicht geben. Und dann fällt mir eine Antwort 3 ein „Warum sollte es nicht gut gehen?„.

Ich bin auch, als meine Eltern in der Arbeit waren, bei meinen Großeltern gewesen und jetzt alle die Jahre später muss ich sagen, dass ich keinen einzigen Moment, den ich mit ihnen verbracht habe, missen möchte. Wenn ich heute in einen Apfel beiße, dann muss ich immer an meinen Opa denken, wie er tagein und tagaus, immer nach dem Mittagessen einen Apfel schälte, diesen viertelte, mir einen Viertel gab und er den Rest aß. Jeden Tag! Wenn mir manchmal der Geruch von Putzutensilien in diese Nase steigt, dann denk ich mit einem Lächeln zurück, wie meine Großeltern bei einem Energieversorgungsunternehmen ums Eck Hausmeistertätigkeiten durchführten und mich immer mitnahmen, damit ich die Blumen im Büro gießen konnte. Und nein! Auch wenn es heute als Kinderarbeit verkauft werden könnte, ich habe gerne Blumen gegossen. Wenn ich heute gestickte Tischdecken in einem Nähgeschäft sehe, dann sehe ich mich als kleines Kind mit meiner Oma auf der Couch sitzen und sticken. Es waren zwar mehr große als kleine exakte Stiche… es zeichnete sich also damals schon ab, dass ich kein Mensch für feine Handarbeit bin… doch meine Oma redete mir immer fleißig zu, ich solle weiter sticken, es wäre alles eine Sache der Übung. Und wenn ich im Garten ein Ameisennest sehe, dann muss ich schmunzelnd daran denken, dass mein Opa und ich die Ameisennester immer mit dem Gartenschlauch unter Wasser gesetzt haben. Das hätte ich vielleicht lieber nicht erzählen sollen, nicht das morgen früh Greenpeace vor der Tür steht. Und eins, so wahr ich hier sitze und tippe, kann nur meine Oma perfekt – Cremeschnitten!

„Und warum sollte es nicht gut gehen?“ – merkwürdigerweise habe ich sogar die letzten paar Male diese Gegenfrage gestellt und keine Antwort erhalten. Ich wünsche Pupsbohne, dass er ebenfalls mit seinen Großeltern eine tolle Zeit erleben wird, damit er auf Frage 3 einfach antworten kann „Klar geht das gut„.

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