Ausgeklinkt – ob der Neandertaler ein Thermometer hatte?

Manchmal, wenn Pupsbohne vormittags schläft, dann erwische ich mich dabei, wie ich mich aus der Welt ausklinke. Wenn das Telefon klingelt…gehe ich nicht ran, wenn der Postbote an der Tür läutet und mal wieder ein Amazon Prime Päckchen abgeben will…öffne ich nicht die Tür und wenn mein Handy sich meldet, weil irgendjemand etwas zu verkünden hat…dann nehme ich dieses Gerät einfach nicht in die Hand.
Ich klinke mich aus einer Welt aus, in der jeder alles besser weiß. Eine Welt, die mir sagt wie ich zu leben habe, wie ich meine Ehe zu führen habe und natürlich, wie kann es auch anders sein, wie ich mein Kind zu behandeln habe.
Ich sitze dann manchmal auf dem Boden neben der Krabbeldecke auf der Puspbohne auf dem Bauch schläft und starre einfach die Wand an. Ich versuche all die Hinweise, Ratschläge und Bevormundungen bezüglich meines Lebens zu löschen und mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen…denn dieses hat mich im Gegensatz zu so manch verrückten Ideen der Welt noch nie im Stich gelassen.
Und dann frag ich mich manchmal, wie hat eigentlich der Neandertaler seine Kinder durch die harte Zeit gebracht? Ich glaube nicht, dass er ein Thermometer hatte um die Nahrung exakt auf 38°C zu temperieren und ich bezweifle auch stark, dass er die Beikost mit einem Karottenbrei startete. Und trotzdem überlebten wohl einige Neandertaler Säuglinge und wurden erwachsen und konnten ihre Erfahrungen weitergeben… . Gut! Der Neandertaler ist ausgestorben, aber ich schätze nicht, weil eine Neandertaler-Mutter ihrem Säugling keine 38°C warme Milch gab.
Aber ich habe das ungute Gefühl, dass die Menschheit aussterben wird, falls es mal zu einem weltweiten Stromausfall kommen sollte. Denn wie soll ich denn ohne Internet in Erfahrung bringen, wie lang mein Kind mit 3 Monaten zu schlafen hat, ob ich mit Karotte oder Pastinake die Beikost anfangen soll, wie warm das Badewasser sein soll und ob ich lieber Shampoo oder Sahne in das Wasser geben soll, in welche Richtung das Kind im Buggy schauen soll… grad so, dass mir nicht mitgeteilt wird, dass ich zum Leben ein- und ausatmen muss.
Und dann ganz plötzlich werde ich wieder in die Welt zurück befördert. Pupsbohne wacht auf und will auf den Arm genommen werden, die Nachbarin läutet an der Tür und möchte das angenommene Päckchen loswerden, auf meinem Handy blinken diverse Kommunikation-Apps mit neuen Nachrichten auf und am Telefon werde ich gefragt ob ich Zeit und Lust hätte an einer Umfrage teilzunehmen. Ich sage natürlich ja und denke mir „hallo Welt, so schnell hast du mich wieder.“

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