Geburt – was ist Glück?!

In der Uni gab es eine Professorin die in Navy-Manier ihre Rekruten, die unter Entscheidungsfreudigkeit litten, immer mit folgenden Worten anschrie: „Schwanger oder nicht schwanger“ . Und ich wünschte mir nach der Geburt von Pupsbohne, dass diese Professorin in meinem Krankenhauszimmer an der Eingangstür saß und jeden, der alles besser wusste über die Geburt, mit den Worten „Geburt oder nicht Geburt!“ anschrie. Doch leider war sie in diesem Moment nur ein Konstrukt meiner Fantasie und es gab zwei Varianten ein Kind auf die Welt zu bringen. Pupsbohne erblickte das Licht der Welt wie der weltberühmte Kaiser Julius Caesar, denn dieser wurde angeblich ebenfalls aus dem Leib seiner Mutter geschnitten.
Aber anstatt diese kaiserliche Geburt zu feiern, durfte ich mir von diversen Vertretern der Gesellschaft die Frage anhören: „Bist du glücklich?“ . Natürlich wurde mir diese Frage beantwortet bevor ich überhaupt meinen Mund öffnen konnte und meine Stimmbänder zu schwingen anfingen. Mir wurde eindringlich erklärt, warum ich zu 100% Probleme hätte Muttergefühle aufzubauen. Denn ich hatte ja keine Wehen, die 36 Stunden dauerten und habe Pupsbohne nicht unter Schmerzen durch den Geburtskanal gepresst und wurde danach noch Stunden genäht… . Kurz und bündig – ich wurde verurteilt, dass Ärzte entschieden Pupsbohne per Kaiserschnitt auf die Welt zu bringen. Dass ein Kaiserschnitt zwar eine OP mit einer 14cm Naht ist und man erst wieder ca. 4 Tage nach der OP ohne große Schmerzen aufrecht laufen kann, das wird total überbewertet. Aber gut, ich hatte laut Gesellschaft Pupsbohne nicht „richtig“ auf die Welt gebracht, ergo durfte ich nicht glücklich sein.
Und da mir dieser Gemütszustand einfach angedichtet wurde, fragte ich mich selbst einfach irgendwann, ob ich glücklich bin und was Glück überhaupt ist. Nach langer Suche stieß ich im Duden auf folgende Formulierung: „angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat.“ Betrachten wir die Situation einfach ganz nüchtern: Ich durfte endlich Puspbohne in den Armen halten, ihm über sein Köpfchen streicheln und die kleinen Hände und Füße betrachten. Und ganz plötzlich, von einen auf den anderen Moment, durfte ich am eigenen Körper erfahren, was die Dozentin in der Psychologievorlesung immer mit dem Begriff „Flow“ meinte – ein mentaler Zustand der völligen Vertiefung und des restlosen Aufgehens einer Tätigkeit, in der Zeit und Raum vergessen wird – ich saß also mit Pupsbohne im Arm in diesem Krankenhausbett und vergaß die Welt um mich herum, wenn ich ihn, das perfekte Wunder, anschaute – mein lebendig gewordenes Glück!

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