Babybekleidung – Fernreise Südamerika

Ich mag Lamas und Alpakas. Ich verweile im Zoo oder auf der Adventsausstellung einer ortsansässigen Gärtnerei gerne am Gehege dieser Tiere, denn sie schauen so schön doof. Aber und das ist absolut entscheidend – ich wahre den nötigen Sicherheitsabstand. Ich möchte nicht angespuckt werden. Und genau mit dem gleichen Sicherheitsabstand stand ich in diesem Kinderladen vor Pullis und Hosen aus Baby-Alpaka- und Lama-Wolle. Wenn ich diese Pullis ansah, hatte ich kurzzeitig Angst die Kleidung könnte mich anspucken. Warum? Weil ich in den monoton einfarbigen Oberteilen das treudoof blickende Alpaka-Baby vor mir sah. Jeder Pulli  hatte die umwerfende Farbe von Staub aus der Atacama-Wüste. Nur weil ein Kind ebenfalls gerne „spuckt“ muss ich es noch lange nicht in Fasern aus dem Fell eines spuckenden Tieres hüllen. Ich suchte in diesem Kinderladen also nach Kleidung, die mir nicht folgendes Bild ins Auge zauberte: Südamerika, die Anden, 9960 Meter hoch, eine alte gebrechliche Frau in der Landestracht zieht ihren störrischen Esel durch das Dorf.

Aber Moment einmal! Diese Landestracht besitzt doch Muster in kräftigen Farben. Ich sah mich suchend in dem Kinderladen um. Ahhh….es gab also doch Farbe in der Kinderbekleidungswelt. Ich eilte zu dem grünen Winter-Ganzkörperanzug, streckte freudig meine Hand nach ihm aus und zog sie wie von der Tarantel gestochen wieder zurück. Schurwolle!!! Mir stellten sich die Nackenhaare auf. Es gesellten sich in diesem Laden also neben Fasern diverser Kamelarten auch jene von Schafen noch hinzu. Willkommen am Lagerfeuer einer nomadischen Hirtenfamilie in den Anden.

Ich nahm wieder meinen Sicherheitsabstand zu der Kleidung ein und fragte die Verkäuferin, ob sie denn auch ein Oberteil mit einem netten Druck hätte. Wären wir bei dieser Hirtenfamilie am Lagerfeuer gewesen, hätte mich die Verkäuferin mit den Worten „Rabenmutter“ wohl direkt in das Feuer geworfen. In der ausführlichen und äußerst energischen Erklärung der Verkäuferin, warum die Kleidung aus den Biomateralien ohne chemischen Druck besser für das Neugeborene sei, fragte ich mich, ob sie überhaupt weiß, was „Bio“ heißt. Denn das Wort „Bio“ , dass in Deutschland grad allzugern für alles verwendet wird, kommt vom griechischen  Wortstamm „bios“ und bedeutet eigentlich nur „Leben“ . Und wenn ich dann wiederrum das Wort „Leben“ wortwörtlich nehme und die Kennzeichen des Lebens auf die Kleidung anwende, dann müsste sich der Pulli eigenständig bewegen, ich müsste dem Pulli Nahrung geben und, dass fand ich in meiner Vorstellung sehr amüsant, dann müsste der Pulli eine Reaktion bei Berührung zeigen.

Ich fragte die Verkäuferin nicht nach den Kennzeichen des Lebens und, wie ihr euch vorstellen könnt, kaufte ich auch keine Bekleidung in diesem Laden. Ich, die Rabenmutter, die nur ein Oberteil mit einem Druck suchte, setzte mich also wieder in das Auto und fragte mich auf der Fahrt nach Hause, ob der nächste Urlaub nicht nach Südamerika gehen sollte.

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