Geburtstagswünsche – eine Stadt mit zwei Gesichtern

Was wünscht man sich zum 31. Geburtstag? Wenn ich mein bisheriges Leben so Revue passieren lasse, dann wird mir bewusst, dass ich ca. 30 Wochen nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl die Bühne der Welt betreten habe. Mein Bühnendebüt gab ich in einer Stadt, in der heute noch radioaktives Material der damaligen Katastrophe im Boden zu finden ist, da kurz nach der Explosion die radioaktive Wolke ihre Tränen über Ingolstadt fallen lies.

Ich verbrachte meine Kindheit und Jugend in einer Stadt, die jedes Jahr wieder dem Fluss, der die Stadt in einen Süd- und Nordteil zerreißt, in diversen Zeitungsartikeln und Leserbriefen deutlich machen will, dass er zu wenig beachtet wird. Und trotz dieser jährlichen Aufmerksamkeit, meistens im Frühjahr, fließt die Donau seit ich denken kann klammheimlich mitten durch die Stadt. Ich kehrte nach meinem Studium in eine Stadt zurück, in der sich mittlerweile im Norden die Industriebauten der ortsansässigen Automobilfirma bedrohlich erhoben. Ein Teil der Stadt, in der nur noch ein Starbucks fehlt um das Bild des hektischen und mürrischen Anzugträgers mit dem Firmenausweis an der Hosentasche zu komplementieren. Und wenn ich den Fluss heute überquere und den städtischen Norden Richtung Süden verlasse, betrete ich die Stadt, die mich an meine Kindheit erinnert. Ich sehe Schüler, die panisch versuchen noch pünktlich zum Gong ins Klassenzimmer zu huschen und dabei vergessen ihr Radl abzusperren. Und beim Edeka ums Eck erhasche ich Wortfetzen eines Gespräches zwischen zwei älteren Damen: „die war heute noch gar nicht auf dem Friedhof, da liegt überall das Laub…unmöglich.“ Amüsiert über dieses Gespräch lasse ich meinen Blick über die Felder am südlichen Rand der Stadt schweifen. Felder mit einem angrenzenden Auwald hinter dem der vergessene Fluss fliest – Felder auf denen man Hasen, Fasane und Rehe beobachten kann.

Und so gehe ich nach Hause und habe eigentlich nur einen Wunsch zu meinem 31. Geburtstag –  dass Pupsbohne auch irgendwann einmal in seiner Heimatstadt so glücklich werden wird wie ich es mit meinen fast 31 Jahren endlich bin.

 

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